Welche Motorsägenkurse gibt es in Deutschland?
Wer in Deutschland mit der Motorsäge arbeitet, muss in den meisten Fällen einen Motorsägenkurs besuchen. Von Motorsägenanwendern hört man dabei oft die Begriffe Motorsägenschein, Kettensägenschein, Motorsägenkurs, Kettensägenkurs, Motorsägenlehrgang, Motorsägen-Grundlehrgang, Brennholzlehrgang und vieles mehr. Aber was steckt wirklich dahinter und welche Richtlinien für die Motorsägenausbildung gibt es in Deutschland? Wir bringen Licht ins Dunkel und erklären dir hier alles was du über Motorsägenkurse wissen musst.
Welche Kursstandards gibt es für Motorsägenkurse in Deutschland?
Im Wesentlichen gibt es folgende Standards für die Motorsägenausbildung in Deutschland:
- DGUV-I 214-059 von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV)
- VSG 4.2 von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG)
- KWF-Standard vom Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e.V. (KWF)
- European Chainsaw Certificate (ECC)
Bei Mein Motorsägenkurs erfährst du, was die Unterschiede sind und für welche Tätigkeiten du welche Ausbildung für die Motorsäge benötigst.
Warum gibt es unterschiedliche Motorsägenkurse?
Es gibt nicht den einen Motorsägenkurs, weil die Arbeit mit der Motorsäge sehr vielfältig ist. So werden Motorsägen in der Forstwirtschaft, Landwirtschaft, bei der Baumpflege, auf dem Bau, in der Industrie, bei Feuerwehren, Rettungsorganisationen und auch von vielen Privatpersonen für die Aufarbeitung von Brennholz eingesetzt. Dementsprechend müssen Motorsägenbediener speziell nach ihren Bedürfnissen und angepasst auf die vorkommenden Gefahren ausgebildet werden.
Da es unterschiedliche Zuständigkeiten und Verantwortung gibt, zum Beispiel in Form von Unfallversicherungsträgern, sind spezielle Ausbildungsstandards für die Motorsägenarbeit entstanden.
Kursstandards für Motorsägenkurse in Deutschland:
Motorsägenkurs nach DGUV-I 214-059 von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV)
In der DGUV-I 214-059 gibt es vier verschiedene Kursmodule:
Modul A – Grundlagen der Motorsägenarbeit (für die Arbeit am liegenden Holz und die Fällung von Schwachholz bis 20 cm Baumdurchmesser in Brusthöhe)
Modul B – Baumfällung und Aufarbeitung (Fällung von Bäumen über 20 cm Brusthöhendurchmesser, Bäume mit Neigung und Fäule, Gefährdungsbeurteilung, Seilwindeneinsatz, Trennschnitte am liegenden Holz)
Modul C – Arbeit mit Motorsägen in Arbeitskörben von Hubarbeitsbühnen und Drehleitern, ohne stückweises Abtragen von Bäumen
Modul D – Arbeit mit Motorsägen in Arbeitskörben von Hubarbeitsbühnen und Drehleitern, mit stückweisem Abtragen von Bäumen
Motorsägenkurs nach VSG 4.2 von der SVLFG (Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau)
Grundkurs Motorsäge im Gartenbau: Im Grundkurs Motorsäge im Gartenbau werden die Grundkenntnisse für den Einsatz der Motorsäge vermittelt. Inhalte sind Maschinen und Geräte, Aufbau und Funktion der Motorsäge, Unfallverhütung, Arbeitstechniken, Sägen am liegenden Holz, Baumfällung bis 20 cm Brusthöhendurchmesser, Wartung und Pflege der Motorsäge.
Aufbaukurs zum Grundkurs Motorsäge im Gartenbau: In diesem Aufbaukurs wird die Fachkunde zur Durchführung gefährlicher Baumarbeiten mit der Motorsäge vermittelt. Inhalte sind der Umgang mit der Motorsäge und anderen Werkzeugen und Hilfsgeräten, Schneidetechnik mit der Motorsäge, Fällung und Aufarbeitung ohne Durchmesserbegrenzung, Einsatz der Seilwinde, Fällung von Bäumen mit Besonderheiten wie Vorhänger, Rückhänger und Seitenhänger.
AS-Baum I: Wer den Grundkurs Motorsäge im Gartenbau und den Aufbaukurs zum Grundkurs Motorsäge im Gartenbau zusammen absolviert, erreicht dadurch die Fachkunde AS-Baum I.
AS-Baum II: Im Motorsägenkurs AS-Baum II wird die Fachkunde für die Durchführung von Baumarbeiten mit der Motorsäge in der Hubarbeitsbühne vermittelt.
Motorsägenkurse nach KWF Kursstandards (Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik)
Kursmodul A1 (Grundkenntnisse und liegendes Holz): Grundlagenkenntnisse für die Motorsägenarbeit, Unfallverhütungsvorschriften, Gefahren bei der Motorsägenarbeit, Sägen am liegenden Holz
Kursmodul A2 (Schwachholzfällung): Holzernte und Aufarbeitung von Bäumen bis 20 cm BHD (Brusthöhendurchmesser)
Kursmodul A: Modul A1 und Modul A2 können getrennt voneinander absolviert werden. Wer beide Kursmodule absolviert, erreicht die Qualifikation Modul A
Kursmodul B: Fällung und Aufarbeitung von Bäumen über 20 cm BHD (Brusthöhendurchmesser)
ECC – Europäisches Motorsägenzertifikat
Das Europäische Motorsägenzertifikat wird in manchen Bereichen von Personen verlangt, die in der Forstwirtschaft beruflich mit der Motorsäge arbeiten.
ECS Level 1 (Motorsägenwartung und Einschneidetechniken): Technische Grundlagen, Motorsägenwartung, Einschneidetechniken, grundlegenden Kenntnisse und Fertigkeiten für Motorsägenbediener zur Aufarbeitung von liegendem Holz, Gefährdungen und Belastungen bei der Motorsägenarbeit, Wartung und Pflege von Motorsägen, persönliche Schutzausrüstung, Schnitttechniken beim Entasten und Einschneiden
ECS Level 2 (Grundlagen Schwachholzaufarbeitung): Grundlagen der Schwachholzaufarbeitung, Fällen und Aufarbeiten von Bäumen mit einem BHD (Brusthöhendurchmesser) kleiner als 20 cm, Schnitttechniken bei Vor- und Rückhängern, sicherer Umgang mit hängen gebliebenen Bäumen, Entasten und Einschneiden.
ECS Level 3 (Fortgeschrittene Baumfälltechniken und Einsatz von Winden und Seilzug): Fällung und Aufarbeitung von mittelstarkem und starkem Holz, Fälltechniken und Aufarbeitungstechniken bei Bäumen größer 20cm BHD (Brusthöhendurchmesser), Einsatz der Sicherheitsfälltechnik, Entastungstechniken, Zufall bringen von Bäumen mit der Seilwinde
ECS Level 4 (Techniken für Windwurf und gebrochenes Holz): Geworfenes und gebrochenes Holz, Windwurfaufarbeitung, Gefährdungsbeurteilung, Schnitttechniken und Umgang mit Wurzeltellern, Fälltechniken bei Bäumen mit gebrochenen Kronen, Einsatz der Seilwinde im Windwurf

